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Definition Demenz

Demenz ist die Bezeichnung für eine chronische, langsam fortschreitende Erkrankung des Gehirns. Charakteristisch sind der zunehmende Verlust der geistigen Fähigkeiten und – in den meisten Fällen – auch eine Veränderung der Persönlichkeit. Es gibt rund 50 Arten von Demenz, denen verschiedene krankhafte Prozesse zugrunde liegen – die Alzheimer-Demenz ist die häufigste und bekannteste Form der Demenz. Allen Formen gemeinsam sind der Abbau und der Verlust von Nervenzellen und deren Verbindungszellen (Synapsen) im Gehirn. Bei allen Formen von Demenz geht langfristig die geistige Leistungsfähigkeit verloren, also die Gedächtnisleistung, das Denkvermögen aber auch die Sprache, die Motorik sowie praktische Alltagsfähigkeiten. Die Demenz ist eine der folgenschwersten Alterserkrankungen.

Wie kommt die Alzheimer-Demenz zu ihrem Namen? Sie ist nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer (1864 - 1915) benannt, der die Krankheit im Jahre 1906 zum ersten Mal wissenschaftlich beschrieben hat. Seitdem trägt sie den Namen dieses deutschen Nervenarztes.

 

 

Wie macht sich die Krankheit bemerkbar?

Die frühen Symptome einer Alzheimer-Demenz sind Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme oder auch Veränderungen in der Persönlichkeit. Wenn man ständig etwas vergisst, Dinge verlegt, sich beim Lesen eines Buches sofort nicht mehr erinnern kann, was auf der letzten gelesenen Seite stand, wenn einem im Gespräch Wörter des Alltags nicht mehr einfallen, man zunehmend auch reizbar ist oder an nichts mehr Freude hat, so kann das auf eine Alzheimer-Demenz hindeuten. Oft werden diese Symptome von den Betroffenen allerdings als Alterserscheinungen abgetan.

Ratsam ist es, Symptome dieser Art frühzeitig ärztlich abklären zu lassen, denn eine Alzheimer-Demenz ist zwar bis heute nicht heilbar, doch ihr Verlauf lässt sich verzögern. Bei anderen Demenzformen stehen zu Beginn andere Symptome im Vordergrund. Viele Demenzformen ähneln früher oder später aber der Alzheimer-Demenz, dennoch lassen sich zum Teil gravierende Unterschiede feststellen. Keine Demenzform ist heilbar, aber sie sind unterschiedlich gut behandelbar.


In Deutschland leben laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. gegenwärtig rund 1,7 Millionen Menschen mit Demenz, in den meisten Fällen handelt es sich um die Alzheimer Krankheit.  Mehr als 300.000 Neuerkrankungen treten jedes Jahr auf.

 

 

Was passiert im Gehirn?

Alois Alzheimer, der Entdecker der Krankheit des Vergessens, hatte bei  einer verstorbenen Patientin Eiweißablagerungen, sogenannte Plaques, im Gehirn gefunden. Vor ihrem Tod war die Patientin schwer geistig verwirrt und vergesslich. Sie hatte keine Orientierung über Raum und Zeit, konnte sich kaum an Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit erinnern und ihre Antworten auf konkrete Fragen waren unverständlich. Sie litt unter Stimmungsschwankungen, war abwechselnd misstrauisch, aggressiv, ängstlich und weinerlich. „Ich habe mich sozusagen selbst verloren“ – dieses Zitat von ihr macht deutlich, dass sich die Patientin ihrer Lage und Hilflosigkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt der Krankheit durchaus bewusst war.

Die Veränderungen im Gehirn der Patientin, die Alois Alzheimer vor über 100 Jahren festgestellt hat, sind noch heute die Grundlage für die aktuelle Alzheimer-Forschung. Mittlerweile arbeiten weltweit tausende Wissenschaftler daran, diese komplexe Krankheit zu erforschen.

Die bereits von Alois Alzheimer gefundenen Ablagerungen von Eiweißstoffen sind inzwischen intensiv untersucht worden Gesichert ist, dass zwei verschiedene Eiweißablagerungen charakteristisch sind für die Alzheimer-Krankheit: Beta-Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen. Zu diesen Ablagerungen kommt es im Übrigen bereits 10 bis 15 Jahre vor Auftreten der ersten Symptome.

Beta-Amyloid ist ein natürlich im Körper vorkommendes Eiweiß. In einem gesunden Gehirn wird das Eiweiß problemlos gespalten und abgebaut. Bei der Alzheimer-Krankheit verändert sich der Abbau des Amyloid-Vorläuferproteins. Dadurch entstehen sogenannte Beta-Amyloid-Proteine, die sich als giftige Moleküle ansammeln. Sie verklumpen und bilden unauflösliche Ablagerungen zwischen den Nervenzellen. Diese werden Beta-Amyloid-Plaques oder auch Alzheimer-Plaque genannt und können vom Körper nicht mehr abgebaut werden.

Das Tau-Protein befindet sich im Inneren der Zelle. Es formt Teile einer Struktur, die Mikrotubuli  oder Röhrchen genannt werden. Diese Röhrchen helfen beim Transport von Nährstoffen und anderen wichtigen Substanzen von einem Teil der Nervenzelle zu einem anderen. Tau-Proteine sind für die Stabilität und die Nährstoffversorgung der Zellen verantwortlich. Bei der Alzheimer-Erkrankung wird das Tau-Protein chemisch verändert. Dieses veränderte Protein sammelt sich in der Nervenzelle und lagert sich in Form von Fasern an, den sogenannten Tau-Fibrillen. Die Zellen verlieren in der Folge ihre Form sowie ihre Funktionen und zerfallen.

Die beiden Eiweißablagerungen stören also insgesamt die Kommunikation in und zwischen den Nervenzellen. Dadurch sterben über viele Jahre hinweg Nervenzellen und Nervenzellverbindungen ab. Betroffen sind die Regionen im Gehirn, die für das Gedächtnis, das Denken, die Sprache sowie die Orientierung zuständig sind: nämlich die Großhirnrinde und der Hippocampus.
(Quelle: Alzheimer Forschung Initiative e. V.)

 

 

Die verschiedenen Formen der Demenz

Zunächst einmal wird ganz grundlegend zwischen primärer und sekundärer Demenz unterschieden. Die primäre Demenz steht für die Demenzformen, die ihren Ursprung im Gehirn haben und eigenständige Krankheitsbilder sind – also beispielsweise die Alzheimer-Demenz, die vaskuläre Demenz, die Lewy-Körperchen-Demenz  und die Frontotemporale Demenz.

Sekundäre Demenzen sind  dementielle Erkrankungen, die durch Medikamente oder andere Erkrankungen verursacht werden. Das können zum Beispiel sein: Alkoholsucht, Depression, Schilddrüsenerkrankungen oder sogar Vitamin-Mangelerkrankungen. Sekundäre Demenzen sind teilweise gut heilbar. Wenn die Möglichkeit besteht, die Ursache zu beheben oder die auslösende Krankheit erfolgreich zu behandeln, bilden sich die Symptome der sekundären Demenz in der Regel zurück.

Bei den primären Demenzerkrankungen stellen wir Ihnen die wichtigsten kurz vor:

Die Vaskuläre Demenz


Die vaskuläre Demenz wird durch eine gestörte Durchblutung im Gehirn ausgelöst. Verantwortlich dafür sind kleine Schlaganfälle/Hirnschläge, die auf eine krankhafte Veränderung der Gefäße zurückzuführen sind. Je nachdem wie stark die Hirnschläge sind oder wie viele kleine Hirnschläge jemand hatte, fällt dann das Krankheitsbild aus. Die Symptome ähneln denen der Alzheimer-Demenz. Die vaskuläre Demenz ist nach der Alzheimer-Demenz am zweithäufigsten vertreten.

Die Lewy-Körperchen-Demenz 


Die Lewy-Körperchen-Demenz ähnelt der Alzheimer-Krankheit und hat auch ähnliche Ursachen – nämlich krankhafte Eiweißeinschlüsse in den Nervenzellen. Diese Einschlüsse sind viel seltener als die Plaques, die bei Alzheimer auftreten. Sie behindern die Kommunikation der Nervenzellen untereinander und lösen häufig schon im frühen Stadium der Krankheit Halluzinationen aus. Das Gedächtnis bleibt länger erhalten und der Gesundheitszustand ist starken Schwankungen unterworfen.

Die Frontotemporale Demenz


Betroffene mit dieser Form der Demenz fallen nicht durch Vergesslichkeit oder Orientierungslosigkeit auf, sondern dadurch, dass sie sich merkwürdig benehmen und dass sich ihre Persönlichkeit stark verändert. Viele Kranke verhalten sich sozial auffällig. Manche sind rast- und ruhelos, aggressiv und leicht reizbar. Andere ziehen sich zurück, werden stumpf und gleichgültig gegenüber ihrem Umfeld. Im Vordergrund stehen also Veränderungen von Persönlichkeit und Antrieb. Gedächtnis- und Orientierungsstörungen sind bei dieser Form der Demenz weniger stark ausgeprägt. Die Betroffenen erkranken meist relativ früh, oft bereits im fünften oder sechsten Lebensjahrzehnt. Später vermischen sich die Symptome der Frontotemporalen Demenz mit denen der Alzheimer-Demenz.

 

Parkinson-Demenz


Bei der Parkinson-Demenz liegt eine andere Grunderkrankung – nämlich Parkinson – vor, die dann das Entstehen einer Demenz begünstigt. Das ist bei rund 40 Prozent der Parkinsonkranken der Fall. Es treten bei einer Parkinson-Demenz auch andere Symptome in den Vordergrund als bei Alzheimer. So ist in diesen Fällen das Denken verlangsamt und auch die Aufmerksamkeit beeinträchtigt. Zusätzlich entwickeln die Betroffenen oft eine Depression. Probleme mit dem Gedächtnis treten erst in einem späteren Stadium auf.

 

 

Demenzstadien und Demenzverlauf

Im Folgenden bleiben wir bei der Alzheimer-Demenz und schildern die verschiedenen Stadien und den Verlauf der Krankheit. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Krankheit bei jedem Betroffenen anders verläuft. Nicht alle Erkrankten zeigen dieselben Symptome und auch die Entwicklung der Krankheit verläuft sehr individuell. So schreitet die Demenz beispielsweise auch unterschiedlich schnell fort. Eines lässt sich für alle Demenzerkrankten feststellen: Das Ausmaß der kognitiven Beeinträchtigung nimmt im Verlauf der Krankheit ständig zu und damit auch die benötigte Hilfe und Unterstützung im Alltag bis hin zur Pflege „rund um die Uhr“. Und die Symptome der Erkrankung verändern sich im Laufe der Zeit. So wird die Erkrankung heute oft in 3 Stadien eingeteilt.

Frühes Stadium / leichte Demenz

Im frühen Stadium der Erkrankung steht die Störung des Kurzzeitgedächtnisses im Vordergrund. Die Betroffenen sind vergesslich, verlegen Gegenstände, vergessen Termine und können sich nicht mehr erinnern, was sie gerade in der Zeitung gelesen haben. Sie haben Orientierungsschwierigkeiten, finden sich in eigentlich bekannten Umgebungen schlechter zurecht. Es treten bereits auch die ersten Probleme bei alltäglichen Verrichtungen auf. Weitere Merkmale können Sprachprobleme wie beispielsweise Wortfindungsstörungen sein oder dass die Aufmerksamkeit deutlich vermindert ist. Auch das Denkvermögen kann eingeschränkt sein. Oftmals fällt Angehörigen auch auf, dass die Betroffenen unter Stimmungsschwankungen leiden oder dass sich die Persönlichkeit verändert.

Mittleres Stadium / mittelschwere Demenz

Im zweiten Stadium der Demenz brauchen die Betroffenen schon wesentlich mehr Hilfe im Alltag. Sie haben deutliche Schwierigkeiten, alltägliche Verrichtungen zu bewältigen und sind bei fast allen Tätigkeiten auf Unterstützung angewiesen. Es treten Defizite in der Kommunikation, im Erinnerungsvermögen sowie im Erkennen von Personen und Orten auf. Die räumliche und zeitliche Orientierung ist stark eingeschränkt. In dieser Phase werden viele demenziell Erkrankte auch sehr unruhig und haben Angstzustände. Oftmals kommt es zu Harninkontinenz.

Spätes Stadium / schwere Demenz

Im letzten Stadium steht der hochgradige geistige Abbau und Gedächtniszerfall. Die Betroffenen können keine Worte oder Sätze mehr bilden, manche sprechen dann auch gar nicht mehr. Das Gehirn kann keine Information mehr speichern, vertraute Menschen werden nicht mehr erkannt. Zum geistigen Verfall kommt der körperliche. Viele demenziell Erkrankte leiden unter Muskelverspannungen, denn sie können nicht mehr unterscheiden, ob die Muskeln angespannt sind oder nicht. Zudem können die Betroffenen nicht mehr laufen, sind auf den Rollstuhl angewiesen oder bettlägerig, zudem harn- und stuhlinkontinent. Im späten Stadium der Demenz sind alle Patienten auf eine 24-Stunden Betreuung angewiesen. Das Gefühlsleben bleibt allerdings erhalten. Stimmungen, Gefühle und Veränderungen im zwischenmenschlichen Bereich werden wahrgenommen. Auch eigene Empfindungen können zum Ausdruck gebracht werden, sind allerdings oft mit Verhaltensweisen gemischt, die schwer verständlich sind. Die Körperbewegungen sind oft stereotyp wie z. B. ständiges Nesteln, Reiben oder Wischen.

Das Fortschreiten der Alzheimer-Demenz wird von der Wissenschaft auch als „umgekehrte Kindheitsentwicklung“ (Retrogenese nach B. Reisberg) beschrieben. Das bedeutet, dass Personen, die an Alzheimer-Demenz leiden, ihre Fähigkeiten in der umgekehrten Reihenfolge verlieren wie sie Kinder im Verlauf einer normalen Entwicklung aufbauen. Demenzkranke werden ein Stück weit wieder zu Kindern und sind von Betreuung und Pflege abhängig.

 

 

Bin ich betroffen?

Anzeichen und Feststellung


Es gibt verschiedene Anzeichen, die auf eine Demenz hinweisen können wie:

  • Sprachliche Einschränkungen (Wortfindungsstörungen oder auch Probleme, einem Gespräch zu folgen)
  • Verständnisschwierigkeiten (komplexe Zusammenhänge können nicht mehr erfasst oder Abläufe, die bis dato mühelos gelangen, sind nicht mehr richtig abrufbar)
  • Eingeschränkte Alltagsplanung (alltägliche Aufgaben können nicht mehr richtig bewältigt werden, eine vorausschauende Planung fällt schwer)
  • Vergesslichkeit (Verlegen von Gegenständen, Vergessen von Terminen und Verabredungen, mehrfaches Wiederholen von Informationen)
  • Orientierungsschwierigkeiten in bekannter Umgebung oder Schwierigkeiten beim Zuordnen bekannter Gesichter
  • Veränderungen der Persönlichkeit (Unruhe, erhöhte Reizbarkeit, Vernachlässigen von sozialen Kontakten)


Sollten Sie diese Symptome oder einzelne Anzeichen bei sich selbst oder bei einem Angehörigen feststellen, ist eine ärztliche Untersuchung ratsam. Es gibt zwar verschiedene Tests im Internet für die Schnelldiagnose zu Hause, sie ersparen aber nicht den Gang zum Arzt. Denn, selbst wenn eine oder mehrere der genannten Veränderungen auftreten, bedeutet das noch lange nicht, dass eine Alzheimer-Krankheit vorliegt. Diese Veränderungen können auch andere Ursachen haben wie beispielsweise das Vorliegen einer Depression oder eine Fehlfunktion der Schilddrüse sowie auch Durchblutungsstörungen des Gehirns. Die Symptome können im Übrigen auch die Folge einer Medikamenteneinnahme sein.

Der erste Ansprechpartner ist in der Regel der Hausarzt. Möglicherweise schämt sich der Betroffene und hat Scheu davor, mit seinen Problemen zum Arzt zu gehen. In diesem Fall sollten Angehörige sehr sensibel damit umgehen. Hier hilft es vielleicht, einen allgemeinen Check beim Hausarzt vorzuschlagen. Informieren Sie als Angehöriger den Hausarzt des Betroffenen zuvor über Ihren Verdacht und bitten Sie ihn, im Rahmen der Untersuchung auch die geistige Fitness zu überprüfen. So kann der Hausarzt einen Hirnleistungstest einplanen. Oft ist es auch hilfreich, wenn ein Angehöriger den Patienten begleitet – zum einen, um dem Betroffenen Sicherheit zu vermitteln und zum anderen, um eventuelle Fragen zu beantworten, mit denen der Patient überfordert ist.

Der Hausarzt wird den Patienten dann bei einem begründeten Verdacht zur weiteren Untersuchung und Abklärung zu einem Neurologen, Psychiater oder zu einer Gedächtnissprechstunde überweisen. Dort können Experten mithilfe verschiedener Untersuchungen und Testverfahren eine sichere Diagnose stellen. Für die Diagnose „Alzheimer-Demenz“ ist eine frühe Feststellung hilfreich, denn es stehen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die das Fortschreiten der Symptome hinauszögern und damit die Lebensqualität der Patienten länger aufrechterhalten können.

Eine schlechte Diagnose ist besser als die quälende Ungewissheit

Steht die Diagnose fest, ist das zunächst für die ganze Familie ein Schock. Oft fühlen sich die Betroffenen und Angehörigen aber auch erleichtert. Denn der Erkrankte muss seine Probleme im Alltag und seine geistigen Defizite nicht mehr verstecken und die Familie kann offen über das Thema reden. Das ist auch gut so, denn es gibt nun vieles zu überlegen, zu planen und zu organisieren. Rechtliche, gesundheitliche und finanzielle Dinge müssen geregelt werden.

 

Reden hilft

Viele Patienten schämen sich dafür, dass ihr Gedächtnis sie im Stich lässt und dass sie ihren Alltag immer weniger gut alleine bewältigen können. Doch Demenz ist eine Krankheit, die jeden treffen kann. Insofern sollte man seine Krankheit nicht verheimlichen, sondern sein soziales Umfeld so früh wie möglich einweihen. Außerdem können Freunde und Familie besser helfen und unterstützen, wenn sie um die Krankheit wissen. Sie können dann auch verständnisvoller auf Verhaltensänderungen reagieren. Soziale Kontakte aufrecht zu erhalten, ist für beide Seiten sehr wichtig. Denn nicht nur für die Erkrankten ist es schwierig, mit der neuen Situation umzugehen und sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen. Auch Angehörige und Freunde sind oft überfordert. Hier hilft es, sich auszutauschen und über seine Sorgen und Ängste zu sprechen.

Zudem gibt es Beratungsstellen vor Ort, die mit Rat und Tat zur Seite stehen oder auch Selbsthilfegruppen, in denen man sich die Probleme von der Seele reden und Hilfe und Zuspruch erfahren kann. 

 

Leben mit Demenz

Medikamente und Therapien

Im frühen und mittleren Stadium der Demenz lindern Medikamente die Symptome und zögern den Verlauf der Krankheit hinaus. Wer sich also früh behandeln lässt gewinnt Zeit und Lebensqualität. Verschrieben werden meist Mittel gegen Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie gegen Depressionen.

Acetylcholin ist ein Botenstoff im Gehirn, der für die Signalübertragung zuständig ist. Bei Alzheimer-Patienten wird dieser Botenstoff nicht in ausreichendem Maße produziert, so dass sie zu Beginn der Krankheit unter Konzentrationsstörungen und Orientierungslosigkeit leiden. Es gibt einige Medikamente wie Donepezil, Galantamin oder Rivastigmin, die den Abbau von Acetylcholin hemmen und damit helfen, dass die Denk- und Lernfähigkeit sowie das Erinnern länger erhalten bleiben.

Ist die Krankheit fortgeschritten, dann helfen Medikamente, die den Glutamatspiegel im Gehirn beeinflussen. Glutamat ist wie Acetylcholin ein Botenstoff, der für das Lernen und das Gedächtnis benötigt wird. Wenn der Glutamatspiegel aber zu hoch ist, werden Nervenzellen geschädigt und sterben in der Folge ab. Das Medikament Memantin beispielsweise reguliert den Glutamatspiegel und verhindert die Schädigung.

Antidepressiva kommen deshalb zum Einsatz, weil viele Patienten unter depressiven Verstimmungen leiden oder eine Depression entwickeln. Sie fühlen sich oft mut- und antriebslos. Auch der Verlust der Nervenzellen kann eine Ursache für depressive Stimmungen sein.

Auch Neuroleptika wie Risperidon oder Melperon werden manchmal verschrieben, wenn Demenzkranke aggressiv sind oder unter Sinnestäuschungen und Verfolgungswahn leiden.

Alle Medikamente haben ihre Nebenwirkungen und so wird der Arzt also individuell abwägen, was im Einzelnen sinnvoll ist.

Neben der Gabe von Medikamenten sind auch nicht-medikamentöse Behandlungsmaßnahmen wichtig. Sie tragen entscheidend zur Verbesserung der Symptome, der Lebensqualität und der Selbstständigkeit des Alzheimer-Patienten sowie zur Entlastung von betreuenden Angehörigen und Pflegekräften bei. Solche Maßnahmen beinhalten vor allem alltagsnahes Training und haben körperliche und geistige Anregung zum Ziel. Die körperliche Aktivierung ist ein wichtiger Grundbaustein. Sie hilft, Alltagsfunktionen, Beweglichkeit und Balance zu erhalten. Gleichzeitig macht Bewegung den meisten Menschen Freude. Wer mit der Diagnose Demenz überhaupt nicht klarkommt, kann in einer Verhaltenstherapie lernen, wie er die anstehenden Probleme bewältigen kann. Kognitives Training schult Wahrnehmung, Lernfähigkeit und Denkvermögen. Denkbar ist auch eine Musiktherapie, denn Musik weckt positive Erinnerungen und Gefühle. Die Ergotherapie hilft, Alltagskompetenzen möglichst lange aufrechtzuerhalten. (Quelle: Wegweiser Demenz)

 

 

 

Entscheidungen treffen und vorsorgen

Wichtige Entscheidungen sollten nun nicht mehr lange aufgeschoben werden. Demenzkranke im Frühstadium sind in der Regel noch voll geschäftsfähig und können ihre Angelegenheiten also noch selbst regeln. Es muss geklärt und festgehalten werden, wer den Erkrankten vertreten soll, wenn er selbst nicht mehr in der Lage ist, Entscheidungen in finanzieller, medizinischer und rechtlicher Hinsicht zu treffen. So müssen mit Vorsorgevollmacht, Testament und Patientenverfügung die Weichen für die Zukunft gestellt werden.

Gemeinsam mit den Angehörigen lassen sich auch viele weitere Vorkehrungen treffen. Vielleicht schafft man es auch, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, zum Beispiel auf die Verwirklichung  einer lang ersehnten Reise.

Gesetzliche Leistungen

Ein wichtiger Punkt ist die Frage, welche Leistungen für die Pflege von der Krankenkasse übernommen werden. Demenzkranke, die auf Hilfe und Betreuung bei der Körperpflege, der  Mobilität und der Ernährung angewiesen sind, haben Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung. Die Höhe dieser Leistungen hängt vom Grad der Pflegebedürftigkeit beziehungsweise von der Einschränkung der Selbstständigkeit ab. Auch können Angehörige, die selbst pflegen, Unterstützung in Anspruch nehmen. Informieren kann man sich bei der zuständigen Kranken- beziehungsweise Pflegekasse sowie bei Beratungsstellen oder Pflegestützpunkten.

Um Leistungen aus der Pflegeversicherung zu beziehen, muss zunächst ein Antrag bei der Pflegekasse (die Pflegekasse ist der Krankenkasse des Versicherten angegliedert) gestellt werden. Nach Eingang des Antrags schickt die Pflegekasse dann einen Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK), der die Situation des Pflegebedürftigen vor Ort begutachtet. Er prüft, wie selbstständig der Demenzkranke seinen Alltag gestalten kann. Aufgrund seiner Eindrücke und Beobachtungen verfasst er schließlich ein Gutachten und gibt eine Empfehlung für den Grad Pflegebedürftigkeit ab, die Pflegekasse bestimmt dann letztendlich den Pflegegrad. Bei gesetzlich Versicherten ist der MDK für die Begutachtung zuständig, bei privat Versicherten sind es Gutachter von MEDICPROOF.

Es ist hilfreich, zur Vorbereitung auf diesen Termin, ein Pflegetagebuch zu führen. Hierin wird festgehalten, welche Unterstützung in welcher Situation benötigt wird. Legen Sie auch Arztberichte bereit sowie andere wichtige Unterlagen, zum Beispiel von betreuenden Diensten, wenn diese bereits in Aktion getreten sind. Unterstützen Sie den Demenzkranken in dieser Begutachtungssituation. Es sollte auf jeden Fall ein pflegender Angehöriger oder ein Betreuer mit vor Ort sein. Wird ein Pflegegrad gewährt, so zahlt die Pflegekasse rückwirkend ab dem Datum des Erstantrages. Gewählt werden kann zwischen einer Geldleistung und einer Sachleistung. Wer von seinen Angehörigen gepflegt wird, erhält eine Geldleistung, das sogenannte Pflegegeld. Übernimmt ein zugelassener Pflegedienst die Pflege, zahlt die Pflegeversicherung die Kosten als Pflegesachleistung. Es ist auch eine Kombination der Leistungen möglich.

 

Folgende Leistungen seien hier kurz aufgeführt:

Pflegegeld
Wer von den Angehörigen zu Hause gepflegt wird, erhält je nach Pflegegrad Pflegegeld in folgender Höhe:

Pflegegrad 1: Anspruch auf halbjährige Beratungsbesuche
Pflegegrad 2: 316 Euro/Monat
Pflegegrad 3: 545 Euro/Monat
Pflegegrad 4: 728 Euro/Monat
Pflegegrad 5: 901 Euro/Monat

Pflegesachleistung
Wenn die häusliche Pflege (Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung) von einem professionellen Pflegedienst übernommen wird, zahlt die Pflegekasse Pflegesachleistungen. Die ambulanten Pflegedienste rechnen ihre Leistungen direkt mit der Pflegekasse ab. Zusätzlich gibt es bei den Pflegesachleistungen eigene Sätze für die Voll- und Teilstationäre Pflege / Versorgung.

Pflegegrad 1: 125 Euro/Monat
Pflegegrad 2: 689 Euro/Monat
Pflegegrad 3: 1.298 Euro/Monat
Pflegegrad 4: 1.612 Euro/Monat
Pflegegrad 5: 1.995 Euro/Monat

Teilstationäre Versorgung (Tages- und Nachtpflege)

Oft kümmern sich die Angehörigen um ihre Partner oder Eltern, wenn diese an Demenz erkranken und mehr und mehr Unterstützung im Alltag benötigen. In den meisten Fällen ist diese Aufgabe neben einer Berufstätigkeit zu stemmen, was bedeutet, dass die Angehörigen tagsüber in der Regel nicht verfügbar sind. Viele sind deshalb in Sorge, dass sich ihre zu pflegenden Angehörigen in der Zeit ihrer Abwesenheit nicht ausreichend selbst versorgen können. Und ein ambulanter Pflegedienst kommt auch nur zu bestimmten Zeiten und kann nicht den ganzen Tag abdecken. Wer aber als Kranker nicht ohne ständige Betreuung auskommt, für den ist die Tagespflege ein geeignetes Betreuungsangebot.

Speziell bei Demenzkranken kann auch eine Nachtpflege Sinn machen, damit die Angehörigen zu ihrem Schlaf kommen und sich erholen können. Im Rahmen der Nachtpflege für Senioren übernehmen Mitarbeiter eines Pflegedienstes stundenweise in der Nacht die Aufgaben des pflegenden Angehörigen und beaufsichtigen und betreuen den von Demenz Betroffenen zu Hause. Oder sie können die Nacht auch in einer stationären Einrichtung verbringen, die sich auf die besonderen Bedürfnisse von Personen mit Demenz (z. B. Umkehr von Tag-Nacht-Rhythmus) spezialisiert hat.

Die Pflegekasse übernimmt hierbei die Pflegekosten, die Aufwendungen der sozialen Betreuung, die Kosten der medizinischen Behandlungspflege sowie morgendliche und abendliche Hol- und Bringdienste.  Folgende Sätze werden hierbei ab Pflegegrad 2 von der Kasse gezahlt:

Pflegegrad 2: 689 Euro/Monat
Pflegegrad 3: 1.298 Euro/Monat
Pflegegrad 4: 1.612 Euro/Monat
Pflegegrad 5: 1.995 Euro/Monat

Stationäre Versorgung
Bei der stationären Versorgung in einer entsprechenden Pflegeeinrichtung zahlt die Pflegekasse ab Pflegegrad 2 nachfolgende Sätze:

Pflegegrad 2: 770 Euro/Monat
Pflegegrad 3: 1.262 Euro/Monat
Pflegegrad 4: 1.775 Euro/Monat
Pflegegrad 5: 2.005 Euro/Monat

 

Verhinderungspflege / Kurzzeitpflege

Wenn pflegende Angehörige Urlaub machen wollen oder krank werden, dann bieten sich die Verhinderungs- sowie die Kurzzeitpflege an. Das demenzkranke Familienmitglied wird dann in der Zeit, in der der pflegende Angehörige sich nicht kümmern kann, von einem ambulanten Pflegedienst versorgt oder geht in eine Einrichtung in die Kurzzeitpflege.

Gezahlt wird Verhinderungspflege ab Pflegegrad 2 und dies in einer Höhe von bis zu 1.612 Euro. Ein Anspruch besteht allerdings erst, wenn der Demenzkranke mindestens sechs Monate zu Hause gepflegt worden ist. Die Verhinderungspflege ist bis zu 6 Wochen pro Kalenderjahr möglich.

Wenn der Demenzkranke in die Kurzzeitpflege kommt, stehen dafür pro Jahr maximal 1.612 Euro zur Verfügung. Wenn keine Verhinderungspflege in Anspruch genommen worden ist, kann der nicht verbrauchte Betrag auch für Leistungen der Kurzzeitpflege herangezogen werden. Dadurch kann der Leistungsbetrag der Kurzzeitpflege maximal verdoppelt werden, parallel kann auch die Zeit für die Inanspruchnahme von vier auf bis zu acht Wochen ausgeweitet werden. Der für die Kurzzeitpflege in Anspruch genommene Erhöhungsbetrag wird auf den Leistungsbetrag für eine Verhinderungspflege angerechnet.

Betreuungs- und Entlastungsleistungen

Pflegebedürftige und so auch Demenzkranke haben nach § 45b SGB XI Anspruch auf zusätzliche Entlastungs- und Betreuungsleistungen in Höhe von 125 Euro. Dies gilt seit 1.1.2017 für alle Pflegebedürftigen mit den Pflegegraden 1 bis 5. Der Betrag wird von der Pflegekasse aber nicht einfach ausbezahlt, sondern muss zweckgebunden eingesetzt werden für Leistungen zur Entlastung von pflegenden Angehörigen sowie zur Förderung der Selbstständigkeit durch Hilfe bei der Gestaltung des Alltags.

Auch für die Entlastungsleistungen muss bei der Pflegekasse ein Antrag gestellt werden. Wenn ein zugelassener Pflegedienst die Leistungen übernimmt, bietet es sich an, der Pflegekasse eine Abtretungserklärung für die Entlastungsleistungen zukommen zu lassen. Dann überweist die Kasse die Pflegeleistungen direkt an den Pflegedienst.

 

 

Entlastungsleistungen können für folgende Angebote genutzt werden:

  • Betreuungsangebote wie Demenzcafés, Betreuungsnachmittage in Selbsthilfegruppen oder Einzelbetreuung zu Hause durch anerkannte Helfer
  • Angebote zur Entlastung von Pflegenden beispielsweise durch Pflegebegleiter
  • Angebote zur Entlastung im Alltag (Haushaltsführung, Organisation des Alltags)
  • Finanzierung der Eigenanteile bei der Tages- und Nachtpflege sowie bei der Kurzzeitpflege (Unterkunft, Verpflegung, Investitionskosten)
  • Angebote von zugelassenen Pflegediensten für Leistungen der Betreuung und Haushaltsführung

Die monatlichen Ansprüche können auch angespart und zu einem späteren Zeitpunkt in Anspruch genommen werden. Nicht genutzte Ansprüche können sogar ins folgende Jahr übertragen werden, müssen dann aber im ersten Kalenderhalbjahr eingesetzt werden.

Interessant zu wissen: Nicht nur für Pflegebedürftige, die zu Hause leben, gibt es zusätzliche Betreuungsleistungen. Auch im Pflegeheim hat man einen Anspruch darauf. In den Einrichtungen kommen seit einigen Jahren zusätzliche Betreuungskräfte zum Einsatz.

Finanzierung von Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds

Demente Personen haben einen Anspruch auf Zuschüsse zu einer Maßnahme, die die selbstständige Lebensführung zu Hause erleichtert, zum Beispiel eine bodengleiche Dusche oder Handläufe. Der Zuschuss kann bis zu 4.000 Euro je Gesamtmaßnahme betragen. Die Maßnahme muss vom Gutachter des medizinischen Dienstes beziehungsweise von MEDICPROOF aber befürwortet sein.

 

 

Rechte und Pflichten

Jede Form von Demenz stellt Betroffene und ihr Umfeld auch vor wichtige juristische Fragen. Wie lange ist der Betroffene beispielsweise noch geschäftsfähig? Wie sieht es mit der Haftung aus? Darf ein Demenzkranker noch Auto fahren? Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hat einen Ratgeber herausgegeben, der zu rechtlichen und finanziellen Fragen kompetent Auskunft gibt.

Ratgeber für Angehörige und Profis
Ratgeber in rechtlichen und finanziellen Fragen

Er informiert ausführlich über folgende Themen:

  • Wer braucht eine rechtliche Betreuung?
  • Willenserklärungen zur Vorsorge
  • Geschäfts- und Testierfähigkeit
  • Demenz und Autofahren
  • Haftung und Versicherung
  • Vorteile eines Schwerbehindertenausweises
  • Früher in Rente bei Demenz?
  • Leistungen der Pflegeversicherung
  • Hilfe durch das Sozialamt 

Unter folgendem Link  steht das Buch zum Download bereit oder kann als Printversion bestellt werden.

Betreuung und Pflege von Demenzkranken

Im frühen und mittleren Stadium der Krankheit können die Betroffenen noch gut in den eigenen vier Wänden leben. Aber sie sind mit dem Fortschreiten der Krankheit zunehmend auf Hilfe und Betreuung angewiesen. Die Betreuung in den eigenen vier Wänden wird sehr oft von den Angehörigen übernommen. Ratsam ist es, sich möglichst früh zu informieren, welche Hilfen und finanziellen Leistungen in Anspruch genommen werden können.

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Nicole Heidt

Ich stehe Ihnen gerne bei allen Fragen zur Verfügung!


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