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Ungebrochener Lebensmut: Herbert Hohl

Inhalte des Beitrags

.. Herr Hohl, der bis dahin jahrzehntelang allein gelebt hat und sehr gut für sich sorgen konnte, sollte bestenfalls genau dorthin zurück, wo er sich am wohlsten fühlt: in sein schönes Haus am Hang in Leonberg mit dem wunderbaren Ausblick über die Felder. Nun war eine Selbstversorgung durch seine schwere Erkrankung einfach nicht mehr möglich. Die einzige Lösung: eine Alltagsbegleitung mit einer Betreuungskraft, die mit ihm in seinem Haus lebt und nicht nur seine Pflege, sondern auch die Haushaltsführung übernimmt.

Als ich im Januar diesen Jahres die Gartenpforte zu seinem Haus öffne, winkt mir Herr Hohl bereits vom Fenster aus zu. Die Haustür öffnet mir Frau Theresa Pyra, die sich seit August liebevoll um Herrn Hohl kümmert. Er selbst kommt mir entgegen: frei laufend, ohne Rollator oder Gehstock und begrüßt mich mit einem strahlenden Lachen! Er bemerkt mein Erstaunen und versichert mir gleich, dass es ihm wieder richtig gut geht. Er führt mich in das behagliche Zimmer mit Ausblick und eine wohlige Wärme aus dem schönen Ofen mit den handbemalten Kacheln strömt mir entgegen. Dann sitzen wir drei eine gemütliche Stunde zusammen. Ich bitte Herrn Hohl, mir aus seinem Leben zu erzählen und bekomme von ihm eine spannende Geschichte zu hören, die er mir mit allen Jahreszahlen genauestens schildert.

Herbert Hohl wurde am 30. Mai 1927 in Stuttgart im beschaulichen „Eisenbahner-Viertel“ Prag geboren. Als Sohn und Enkel eines Eisenbahners kam für ihn gar kein anderer Weg infrage, als ebenfalls zur Eisenbahn zu gehen. Sein innigster Berufswunsch war es, Geometer zu werden. Leider machte der 2. Weltkrieg alle persönlichen Pläne zunichte. Stattdessen wurde Herbert Hohl 1943 Flakhelfer mit gerade mal 16 Jahren und zum Arbeitsdienst verpflichtet. Zum Weihnachtsfest am 24.12.1944 wurde er in das Jägerbataillon in Donau-Eschingen befohlen. Er erinnert sich an einen furchtbaren Kampfeinsatz am 20.4.1945, des „Führers Geburtstag“, die er in Hausen auf der schwäbischen Alb überlebte – viele seiner Kameraden leider nicht. Am 20. Januar 1946 geriet er für drei Monate in amerikanische Gefangenschaft. Sofort nach seiner Entlassung drückte er aber gleich wieder die Schulbank und bestand schon im Mai 1946 sein Nachkriegsabitur. Da die Reichsbahn noch nicht wirklich wieder funktionierte und auch nicht ausbildete, begann Herr Hohl eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann bei der Allianzversicherung und blieb bis zu seiner Pensionierung 41 Jahre dort. Er kletterte innerbetrieblich auf der Karriereleiter über die Sachbearbeitung bis zum Leiter der Vertriebsabteilung. Die Allianz veranstaltete jährliche Treffen deutschlandweit und Herr Hohl war für sämtliche Reisekosten der Teilnehmer verantwortlich. Mit einem verschmitzten Lachen erzählt er, wie er auf einer seiner Reisen nach Lübeck 30.000 Reichsmark gebündelt in seiner Jackettasche hatte.

1954 erwarb sein Vater das Hanggrundstück in Leonberg und gemeinsam errichteten sie das Zweifamilienhaus. Das Dachgeschoss für die Eltern, das untere für die neue junge Familie: Herr Hohl hatte geheiratet und im Laufe der nächsten Jahre erblickten drei Buben das Licht der Welt und sorgten für Trubel. Gute zwanzig Jahre währte das Glück im Hause. 1975 wurde dann ein rabenschwarzes Schicksalsjahr für Herrn Hohl: er verlor seine erst 42jährige Ehefrau durch einen tragischen Unglücksfall und stand plötzlich ohne Hilfe mit drei halbwüchsigen Jungen allein im Leben.
Der Haushalt und seine Pflichten mussten nun neu verteilt werden und jeder der Jungen bekam Aufgaben zugeteilt. Gemeinsam kamen die vier Männer über die Runden. Die Jungen wurden erwachsen und Herr Hohl erwähnt stolz, dass aus allen „was geworden ist“. Inzwischen hat er zweihalbwüchsige Enkelkinder und das Leben ist wieder in Ordnung.
Theresa Pyra kommt aus Polen. Sie ist seit Anfang August die „Perle“ im Hause Hohl. Gleich nach ihrer Ankunft hat sie die Ärmel hochgekrempelt und das Haus vom Dach bis zum Keller auf Vordermann gebracht. Sie ist offensichtlich eine wunderbare Köchin, da Herr Hohl meint, seit sie da ist, habe er ordentlich zugenommen. Aber es schmecke nun mal immer so gut.
Die Einkäufe und alle anderen Wege erledigt sie mit einem alten Herrenfahrrad und schiebt es täglich tapfer den Berg hinauf. Ihren immerwährenden Bemühungen um Herrn Hohl ist es zu verdanken, dass es ihm wieder so gut geht: sie hat ihn fortwährend dazu ermuntert und Hilfestellung gegeben, dass er wieder laufen lernte. Sie achtet auf seine Gesundheit und seine Ernährung und kümmert sich einfach um sein Wohlbefinden. Für sie war es völlig klar, dass sie das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel mit ihm feiert. Und nach einer Pause im Frühjahr wird sie wieder für einen längeren Einsatz zurückkehren.

Ich habe wirklich den Eindruck, dass sich hier zwei Menschen gesucht und gefunden haben und freue mich mit Herrn Hohl und Frau Pyra. Ich wünsche ihnen noch eine lange, gute Zeit miteinander.
Und: „Nein, Herr Hohl! Sie haben mich mit Ihrer Geschichte nicht eine Sekunde gelangweilt! Vielen Dank, dass Sie sie mir erzählt haben!“

Ihre Ines Roos-Siebold

Bestandskundenbetreuerin

Sofiapflege


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