Selbstpflegedefizit - so schützen sich pflegende Angehörige

Pflegende Angehörige, für sich sorgen und sich entlasten

Worum geht es in der Pflege?

Pflegebedürftigkeit im fortgeschrittenen Lebensalter, bei chronischer Krankheit oder bei körperlicher Behinderung ist keine Seltenheit. Gleichgültig ob Demenz im fortgeschrittenen Stadium, MS, Rheuma oder ein Schlaganfall, pflegebedürftige Personen benötigen, je nach körperlichem und geistigem Zustand, eine sehr umfangreiche Unterstützung im täglichen Leben. Diese umfasst unter anderem:

  • Hilfestellung bei der täglichen Körperpflege (baden, duschen, Zahnpflege, Haarpflege)
  • Hilfe beim An- und Auskleiden
  • Hilfe beim Aufstehen und Zubettgehen
  • Hilfe bei der Zubereitung von Mahlzeiten und beim Essen
  • Hilfe bei der Reinigung der Wohnung und der Wäschepflege
  • Hilfe beim Gehen oder bei der Fortbewegung mit Rollator, Stock oder Rollstuhl


Einen nicht unerheblichen Teil macht auch die Gestaltung des Alltags aus. Die Regelung von Bankgeschäften und Finanzen, Gesundheitsfürsorge und Gespräche mit Ärzten und Therapeuten und Einkäufe sind ein Aspekt davon. 
Bei einer Demenz ist der Pflegeaufwand meist besonders hoch, denn es besteht eine stark reduzierte bis gar nicht mehr vorhandene Orientierung in allen Bereichen des Lebens.

Wie die Pflege von Senioren, chronisch erkrankten Menschen oder Personen mit Behinderung organisiert wird, ist sehr verschieden. Kurzzeitpflege, ein Umzug in eine Pflegeeinrichtung oder die Betreuung durch einen Pflegedienst sind die Möglichkeiten. Manche Pflegemodelle lassen sich jedoch auch miteinander kombinieren.

Pflegebedürftige, die von Ihren Kindern, Enkeln oder anderen Angehörigen in der häuslichen Umgebung betreut werden, können auch zusätzlich Kurzzeitpflege, Tagespflege oder Pflege durch einen professionellen Pflegedienst in Anspruch nehmen. Eine häusliche Betreuungskraft (zum Beispiel aus Osteuropa) ist eine große Hilfe. Dies entlastet auf Dauer die Angehörigen.

Im Jahr 2021 gibt es rund 4,1 Millionen Menschen in Deutschland, die dauerhaft Pflege benötigen und etwa 15.000 Pflegeheime. Mehr als 14.000 ambulante Pflegedienste kümmern sich außerdem um die häusliche Pflege.

Zwar gibt es für die häusliche Pflege und Betreuung verschiedene Hilfen, aber dennoch ist die Belastung für pflegende Angehörige auf Dauer sehr hoch:

1. Die Wohnung oder das Haus muss oft umgestaltet werden und mit Badelift, Rampen, Haltegriffen an Dusche und WC, Pflegebett und diversen anderen Hilfsmitteln ausgestattet werden. Diese können zum Teil oder in einigen Fällen auch komplett von der Krankenkasse finanziert werden. Ein Rezept vom Haus-oder Facharzt ist dafür nötig.

2. Manche Angehörige müssen aufhören zu arbeiten oder die Stunden reduzieren, um sich um Mutter, Vater, Großeltern oder andere pflegebedürftige Angehörige zu kümmern. Und auch von Geburt an schwerbehinderte Kinder haben einen hohen Pflegebedarf.

3. Der Alltag ändert sich meist komplett. Denn in vielen Fällen wird die Tagesstruktur den Bedürfnissen der pflegebedürftigen Person angepasst.

4. Freizeitaktivitäten mit Ehepartner, Arbeitskollegen oder Freunden sind oft nur sehr eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich, wenn der Pflegebedarf sehr hoch ist. Insbesondere bei Demenzkranken, die eine 24/7 Betreuung benötigen.

5. Auch in der Nacht ist häufig Betreuung nötig, wenn Bettlägerige gewendet werden müssen oder Demenzkranke die Nacht zum Tage machen und umher laufen.
 

Sich um kranke oder betagte Angehörige zu kümmern, ist nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern und Kulturen eine Selbstverständlichkeit. Dem zugrunde liegt oft die Einstellung, dass man den Eltern oder Großeltern, bei denen man aufgewachsen ist, einen Dank für die Erziehung schuldet.

Nicht zu unterschätzen ist auch der Druck aus dem Umfeld, dem einige Menschen nicht stand halten können. Obgleich sie sich mit der Pflege eines Angehörigen überfordert fühlen, trauen sie sich nicht, eine andere Lösung zu suchen, aus Angst davor, von der Umwelt als undankbar oder unsozial angesehen zu werden. So kann eine Situation entstehen, die für die Pflegebedürftigen und die pflegenden Angehörigen gleichermaßen unbefriedigend ist.
 

Rund 3/4 der pflegebedürftigen Personen, werden laut Statistik in Deutschland daheim von ihren Angehörigen betreut. Der Umzug in ein Pflegeheim ist meist nur der absolut letzte Ausweg aus einem Dilemma von Überforderung.

Und genau da liegt das Problem. Viele Angehörige verausgaben sich bei der täglichen Betreuung. Dies kann ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. Schlafstörungen, Depressionen oder ein allgemeiner Burn-Out können auf diese Weise entstehen.

Aus falscher Scham, trauen sich Angehörige oft nicht, andere um Unterstützung zu bitten. Sie scheuen sich davor, weitere Familienmitglieder mit in die Betreuung einzubeziehen oder sich Hilfe durch Pflegeprofis zu holen. Sie haben häufig den Anspruch, als gute Kinder oder Enkel alles allein schaffen zu wollen. In Familien mit mehreren Kindern kommt es außerdem häufig vor, dass sich keiner verantwortlich fühlt und alle Verantwortung auf nur eines der Kinder abgewälzt wird.

Eine weitere Folge von Überforderung kann die Entwicklung von Aggressionen sein. So kann es beispielsweise sein, dass eine Tochter, die ihre Mutter pflegt und keine freie Minute mehr für sich und ihr Privatleben hat, irgendwann Aggressionen gegenüber der Mutter bekommt. Weil deren Betreuung die ganze Kraft fordert. Daraus resultiert dann häufig ein schlechtes Gewissen. Denn die Tochter schämt sich für ihre Aggression und verurteilt sich für diese Gefühle, die jedoch angesichts der Situation sehr menschlich sind und es entsteht eine Spirale aus Frust und Scham.

Daraus kann langfristig gesehen eine psychische Falle werden, in welche der oder die Betroffene immer tiefer hinein rutscht, wenn keine Hilfe in Anspruch genommen wird. Eine komplette Selbstaufgabe und das Verdrängen eigener Bedürfnisse, ist auf lange Sicht eine ernst zu nehmende Gefahr für das körperliche und seelische Gleichgewicht.

Mal mit Freunden einkaufen, ins Kino oder Restaurant gehen, einen Saunabesuch oder einen Besuch im Schwimmbad planen, all das fällt häufig aus und der Verzicht auf diese Aktivitäten belastet dann die ganze Familie.

Nicht selten sind Angehörige am Ende ihrer körperlichen und seelischen Kräfte, wenn sie sich schließlich dazu durchringen können nach Hilfe zu suchen. Hier gibt es eine Reihe von Möglichkeiten. Zum Beispiel:

  • Der Besuch in einer regionalen Pflegeberatungsstelle, die über Hilfsmittel und andere Dinge im Pflegealltag aufklären kann.
  • Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige können einen wertvollen Beitrag leisten. Denn der Austausch von Erfahrungen mit anderen, hilft sich verstanden zu fühlen und sich seelisch zu entlasten.
  • Eine Kur in Anspruch zu nehmen und den oder die Pflegebedürftige einer Kurzzeitpflege oder einer Verhinderungspflege anzuvertrauen, kann helfen Stress abzubauen. Hierfür gibt es bei einem vorhandenen Pflegegrad durch die Kranken- und Pflegeversicherung finanzielle Unterstützung auf Antrag.

Pflegende Angehörige haben auch ein Recht auf ein eigenes Leben. Sie sollten sich weder vom Umfeld noch von der pflegebedürftigen Person unter Druck setzen lassen. Falsche Scham, falsch verstandene Dankbarkeit und andere Faktoren sind langfristig gesundheitsschädlich.

Pflegende Angehörige sollten es vermeiden, das Wohlbefinden der pflegebedürftigen Person höher zu bewerten, als die eigene Gesundheit. Sich selbst wert zu schätzen und für sich selbst zu sorgen, ist keine Schande und reduziert nicht den eigenen Wert als Mensch.


www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Pflege/_inhalt.html


www.pflege-durch-angehoerige.de/burnout-vermeiden-angehoerige-schuetzen/

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